Snorri Sturluson
- Was in diesen letzten Worten steckt
- Wer Snorri war
- Was er geschrieben hat
- Drei Stufen der Zuschreibung
- Warum er die Edda schrieb
- Der Prolog: Götter als Menschen aus Troja
- Was wir ohne ihn nicht wüssten
- Und was eben nicht
- Wo Vorsicht geboten ist
- Wie man mit Snorri arbeitet
- Ein Beispiel, wie das aussieht
- Quellenlage
In der Nacht des 23. September 1241 umstellen siebzig bewaffnete Männer einen Hof in Reykholt. Sie brechen die Tür zur Schlafkammer auf. Der Hausherr entkommt und verbirgt sich unter dem Haus, im Gang, der zu seinem Badehaus führt.
Fünf von ihnen steigen in den Keller hinab. Die Íslendinga saga nennt ihre Namen: Markús Marðarson, Símon knútr, Árni beiskr, Þorsteinn Guðinason, Þórarinn Ásgrímsson.
Der Mann im Keller ist nach Auskunft derselben Quelle der reichste Mann Islands. Zweimal Gesetzsprecher der Volksversammlung, Dichter, Chronist — und seit zwei Jahren Verräter in den Augen des norwegischen Königs, weil er das Land ohne Erlaubnis verlassen hat.
Símon fordert Árni auf zuzuschlagen.
Eigi skal höggva, sagt Snorri. „Nicht schlagen.“
Högg þú, sagt Símon. „Schlag zu.“
Eigi skal höggva, sagt Snorri.
Sie schlagen.
Der Mann heißt Snorri Sturluson, und ohne ihn wüssten wir über die nordische Mythologie einen Bruchteil dessen, was wir zu wissen glauben.
Was in diesen letzten Worten steckt
Eigi skal höggva ist unpersönlich gebaut. Wörtlich heißt es nicht „schlagt mich nicht“, sondern „es soll nicht geschlagen werden“.
Snorri bittet nicht. Er verkündet einen Rechtssatz. Ein Mann, der zweimal das Recht ganz Islands vor der Volksversammlung vorgetragen hat, stirbt in der Sprache seines Amtes.
Und genau das ist der Punkt, an dem die Quellenkritik ansetzen muss. Die Szene stammt aus der Íslendinga saga, geschrieben von Snorris Neffen Sturla Þórðarson, Jahrzehnte nach der Tat. Sturla war ein begnadeter Erzähler. Ob das die tatsächlichen letzten Worte waren oder die Zuspitzung eines Autors, der wusste, welcher Satz haften bleibt, lässt sich nicht entscheiden.
Wir wissen nicht, was Snorri Sturluson gesagt hat. Wir wissen, was sein Neffe berichtet.
Wer Snorri war
Kein Mönch, kein Gelehrter im Kloster, kein Priester. Snorri war Politiker.
Geboren 1178 oder 1179 als Sohn des Häuptlings Sturla von Hvammur, mit zwei oder drei Jahren zur Pflege nach Oddi gegeben — je nach angesetztem Geburtsjahr, nach Oddi kam er 1181.
Oddi war kein gewöhnlicher Hof. Jón Loftsson, der dort herrschte, galt als der einflussreichste Mann Islands. Er war ein Enkel des Sæmundr fróði, dem eine lateinische Geschichte der norwegischen Könige zugeschrieben wird — erhalten ist davon kein Wort. Und Jóns Mutter Þóra war eine Tochter des norwegischen Königs Magnús berfœttr.
Das erklärt den Rest des Lebenslaufs. Snorri wuchs in einem Haushalt auf, in dem Königsblut in der Ahnenreihe stand und der Blick nach Norwegen ging. Er lernte dort, was ein isländischer Großer können musste: Recht, Dichtung, Genealogie, Machtpolitik.
Er heiratete reich, erbte, prozessierte und sammelte Höfe. Zweimal wurde er zum lögsögumaður gewählt, zum Gesetzsprecher des Althing: 1215 bis 1218 und 1222 bis 1231.
Dieses Amt wird oft missverstanden. Es war das einzige gesamtisländische Amt des Freistaats und mit hohem Ansehen verbunden — aber es war kein Machtamt. Der Gesetzsprecher trug das Recht vor und leitete die Lögrétta. Er hatte keine Truppen, keine Vollstreckung, keine Gerichtsgewalt. Die wirkliche Macht lag bei den Goden und ihren Gefolgschaften.
Snorris Macht kam nicht aus dem Amt. Sie kam aus Höfen, Heiraten und Gefolgsleuten.
1218 legte er das Amt nieder und segelte auf Einladung des Königs nach Norwegen. Er verkehrte am Hof, dichtete für König Hákon und Jarl Skúli, ließ sich in die Machtkämpfe zwischen beiden verwickeln, wechselte die Seiten. 1239 verließ er Norwegen gegen ein ausdrückliches Verbot des Königs.
Zwei Jahre später traf der Brief bei Gizurr Þorvaldsson ein: Hákon nannte Snorri einen Verräter und befahl, ihn zur Rückkehr zu zwingen oder zu töten. Gizurr war Snorris ehemaliger Schwiegersohn. Er wählte die zweite Möglichkeit.
Dass ausgerechnet dieser Mann die maßgebliche Darstellung der heidnischen Götterwelt schrieb, ist der erste Umstand, den man beim Lesen mitdenken sollte.
Was er geschrieben hat
Drei Werke werden ihm zugeschrieben. Auf drei sehr unterschiedlichen Grundlagen.
Die Prosa-Edda, auch Snorra-Edda, entstand in den 1220er Jahren. Sie besteht aus einem Prolog und drei Teilen: Gylfaginning erzählt die Mythologie als Rahmenerzählung, Skáldskaparmál erklärt die dichterischen Umschreibungen, Háttatal führt in 102 Strophen rund hundert Versmaße vor.
Die Heimskringla, um 1230, ist eine Geschichte der norwegischen Könige in sechzehn Sagas — von den mythischen Anfängen bis zum Jahr 1177. Sie beginnt mit der Ynglinga saga, in der die Götter als frühe Könige auftreten. Der Titel ist übrigens nicht mittelalterlich: Er kam erst im 17. Jahrhundert auf, gebildet aus den ersten Worten einer Handschrift, kringla heimsins — „der Erdkreis“.
Die Egils saga wird ihm häufig zugeschrieben. Die Argumente sind stilistisch und inhaltlich, nicht dokumentarisch.
Drei Stufen der Zuschreibung
Hier lohnt sich Genauigkeit, weil populäre Darstellungen regelmäßig aus Zuschreibung Gewissheit machen.
Prosa-Edda. Eine einzige mittelalterliche Handschrift nennt Snorri als Verfasser: der Codex Upsaliensis, in seiner Überschrift. Kein anderer Zeuge tut das. Die Zuschreibung gilt als gesichert, steht aber auf genau einem Beleg.
Heimskringla. Weder im Text selbst noch in irgendeiner erhaltenen mittelalterlichen Handschrift wird ein Verfasser genannt — was bei Werken dieser Zeit durchaus üblich ist. Die ersten erhaltenen Zeugnisse, die Snorri nennen, sind zwei Übersetzungen ins Dänische aus dem 16. Jahrhundert: Laurents Hanssøn 1550 und Peder Claussøn Friis 1599. Ob sie eine heute verlorene Handschrift benutzten, ist umstritten; Jon Gunnar Jørgensen hat die Belege 1995 geprüft und diese Annahme für nicht überzeugend gehalten.
Der indirekte mittelalterliche Anhaltspunkt ist schwächer, als er wirkt. Die Íslendinga saga berichtet, Sturla Sighvatsson habe Abschriften anfertigen lassen „nach den Büchern, die Snorri zusammengestellt hatte“ — sögubækr, Geschichtsbücher. Welche, steht dort nicht.
Egils saga. Kein Zeugnis. Die Zuschreibung beruht ausschließlich auf Stil, Aufbau und inhaltlichen Berührungen mit Snorris anderen Werken.
Damit bleibt ein Befund, der für einen mittelalterlichen Autor bemerkenswert ist: Kein einziges Werk Snorri Sturlusons trägt in einer zeitgenössischen Handschrift seinen Namen im Text.
Das entwertet nichts. Die Forschung hält Snorris Verfasserschaft bei Prosa-Edda und Heimskringla überwiegend für zutreffend, und es gibt gute Gründe dafür. Aber „gilt als gesichert“ und „ist dokumentiert“ sind zwei verschiedene Aussagen.
Warum er die Edda schrieb
Nicht, um den alten Glauben zu bewahren. Sondern um die Dichtung zu retten.
Die Skaldendichtung arbeitete mit Kenningar — Umschreibungen, die mythologisches Wissen voraussetzten. Wer nicht weiß, dass Odin den Dichtermet aus dem Berg holte, versteht nicht, warum Dichtung „Odins Raub“ heißen kann. Wer die Geschichte von Sif und ihrem Haar nicht kennt, versteht „Sifs Haar“ nicht als Gold.
Zwei Jahrhunderte nach der Christianisierung war dieses Wissen im Schwinden. Nicht die Dichtkunst selbst — die wurde weiter geübt, Snorri war Skalde und dichtete für norwegische Fürsten. Es schwand das Wissen, aus dem die Bilder lebten. Junge Dichter konnten die überlieferten Verse nicht mehr auflösen.
Snorri schrieb ein Lehrbuch: Hier sind die Geschichten, die ihr kennen müsst, um dichten zu können.
Das ist der zweite Umstand, der alles färbt. Die Mythen erscheinen bei Snorri in einer bestimmten Absicht — verständlich geordnet, auf den Punkt gebracht, für den praktischen Gebrauch aufbereitet. Nicht als Glaubenszeugnis, sondern als Nachschlagewerk.
Das erklärt auch, was fehlt. Kein Kult, kein Opfer, kein Gebet, keine Priester. Alles, was ein Religionshandbuch enthalten müsste, fehlt — weil ein Dichter es nicht brauchte.
Der Prolog: Götter als Menschen aus Troja
Die auffälligste Stelle steht ganz am Anfang. Dort wird erklärt, die Asen seien in Wahrheit Menschen gewesen — Auswanderer aus Troja, die nach Norden zogen und von den Einheimischen für Götter gehalten wurden. „Asen“ wird von „Asien“ hergeleitet.
Diese Deutung heißt Euhemerismus: Götter als vergöttlichte Menschen. Sie ist ein antikes Erklärungsmodell, im christlichen Mittelalter weit verbreitet — und sie erlaubte es, heidnische Stoffe aufzuschreiben, ohne sich dem Vorwurf des Götzendienstes auszusetzen.
Ob der Prolog überhaupt von Snorri stammt, ist umstritten. Walter Baetke hielt ihn für eine spätere gelehrte Zutat, Anthony Faulkes verteidigte Snorris Verfasserschaft. Die Handschriften entscheiden die Frage nicht — sie überliefern den Prolog in abweichenden Fassungen.
Ob Snorri das Modell glaubte oder ob es eine Schutzbehauptung war, ist ebenfalls nicht zu entscheiden. Sicher ist nur: Der Rahmen stammt nicht aus dem heidnischen Glauben, sondern aus der gelehrten christlichen Tradition seiner Zeit.
Und er bleibt nicht auf den Prolog beschränkt. Auch die Gylfaginning endet mit dem Hinweis, dass alles Täuschung war.
Was wir ohne ihn nicht wüssten
Sehr viel. Und einiges davon ausschließlich.
Die Lieder-Edda enthält Gedichte — verdichtet, andeutungsreich, oft ohne Zusammenhang. Snorri liefert die Erzählungen dazu.
Wie die Welt aus Ymirs Leib entstand. Wie Loki sich in eine Stute verwandelte, den Hengst Svaðilfari fortlockte und später das achtbeinige Fohlen Sleipnir gebar. Wie die Zwerge Thors Hammer schmiedeten. Wie Thor bei Utgard-Loki in einem Wettkampf scheiterte, den er nicht gewinnen konnte. Wie die Götter Fenrir fesselten, mit der Fessel Gleipnir und ihren sechs unmöglichen Zutaten.
Auch bei Baldr liegt der Fall so. Dass Baldr stirbt, steht in der Völuspá und in den Baldrs draumar. Aber der Eid aller Dinge, die vergessene Mistel, Höðrs blinder Wurf, Lokis Rolle, Hermóðs Ritt nach Hel und die Riesin, die als einzige nicht weint — diese Erzählung steht bei Snorri.
Ohne Snorri gäbe es keine nordische Mythologie als System. Es gäbe Gedichte, Inschriften, Fundstücke und verstreute Erwähnungen. Das Gebäude hat er gebaut.
Und was eben nicht
Aus dieser Abhängigkeit entsteht ein verbreiteter Kurzschluss: Weil so vieles nur bei Snorri steht, wird ihm auch zugeschrieben, was er lediglich weitergegeben hat.
Die großen Namenslisten gehören nicht ihm. Der Zwergenkatalog steht in Völuspá 9–16. Die Namen der Götterwohnungen und der Weltflüsse stehen in Grímnismál. Snorri übernimmt sie, ordnet sie, erweitert sie stellenweise. Erfunden hat er sie nicht.
Die Unterscheidung ist keine Kleinigkeit. Sie entscheidet darüber, ob eine Angabe aus dem 13. Jahrhundert stammt oder aus älterer Dichtung.
Wo Vorsicht geboten ist
Genau deshalb ist er zugleich das größte Problem der Forschung.
Der zeitliche Abstand. Island nahm das Christentum um das Jahr 1000 an. Snorri schrieb in den 1220er Jahren. Zwischen dem letzten Menschen, der öffentlich an Odin glaubte, und dem Autor liegen rund zweihundert Jahre. Er hat keinen heidnischen Kult erlebt, keinem Opfer beigewohnt, keinen Gläubigen befragt. Er kannte Texte.
Die eigene Ordnung. Wo die Überlieferung uneinheitlich war, hat Snorri geglättet. Wo etwas fehlte, hat er ergänzt. Ob er dabei auf ältere Quellen zurückgriff oder selbst formulierte, lässt sich meist nicht entscheiden. Gelebte Religion ist selten so ordentlich wie die Götterwelt bei Snorri.
Der christliche Rahmen. Nicht nur im Prolog. Auch die Welterneuerung nach Ragnarök und die Rolle Baldrs als leidender Unschuldiger haben eine lange Debatte ausgelöst. Sophus Bugge sah darin christlichen Einfluss, Jan de Vries und andere hielten dagegen.
Der heutige Stand ist differenzierter: Die Grundmotive sind älter als Snorri — Baldrs Tod und die Welterneuerung stehen bereits in der Völuspá, ein Balder erscheint sogar im Zweiten Merseburger Zauberspruch. Offen ist nicht, ob die Motive vorchristlich sind, sondern wie viel von Snorris Ausgestaltung auf alte Überlieferung zurückgeht.
Die literarische Absicht. Snorri war ein guter Erzähler. Gute Erzähler kürzen, pointieren und bauen Spannung. Das ist für ein Lehrbuch angemessen und für eine Quelle unbequem. Genau die Stellen, die am besten funktionieren, sind die verdächtigsten.
Wie man mit Snorri arbeitet
Nicht: ihn verwerfen. Wer Snorri ausklammert, hat fast nichts mehr.
Sondern: ihn einordnen. In der Praxis heißt das drei Fragen bei jeder Aussage.
Steht es auch woanders? Wenn ein Motiv zusätzlich in der Lieder-Edda, in Skaldenversen oder auf Bildsteinen erscheint, ist es älter als Snorri. Das ist der stärkste Fall.
Steht es nur bei ihm? Dann bleibt offen, ob er es überliefert oder geformt hat. Das macht es nicht falsch — es macht es unsicher, und das gehört dazugesagt.
Passt es verdächtig gut? Wo eine Geschichte christliche Motive spiegelt oder eine allzu saubere Ordnung ergibt, lohnt der zweite Blick.
Ein Beispiel, wie das aussieht
Thors Fischzug auf die Midgardschlange steht bei Snorri im Skáldskaparmál. Er steht damit aber nicht allein.
Die Hymiskvíða erzählt ihn vollständig — Lieder-Edda, also älter. Mehrere Skalden haben ihn behandelt: Bragi Boddason, Úlfr Uggason, Eysteinn Valdason. Und er ist im Bild überliefert: auf dem Runenstein von Altuna in Schweden, auf dem Stein von Hørdum in Dänemark, auf dem Fischzugstein von Gosforth in England.
Dichtung, Skaldik und Steinbild, unabhängig voneinander, aus mehreren Regionen. Dieser Mythos war in der Wikingerzeit bekannt und verbreitet. Das lässt sich sagen, ohne sich auf Snorri stützen zu müssen.
Zum Vergleich: Für Hermóðs Ritt nach Hel gibt es nichts davon. Kein Lied, keine Skaldenstrophe, kein Bild. Nur Snorri.
Beides sind gute Geschichten. Aber nur eine von beiden darf man „die Wikinger glaubten“ nennen.
Diese drei Fragen sind der Grund, warum auf dieser Website bei vielen Aussagen steht, woher sie stammen. Es ist kein Selbstzweck — es ist die einzige Möglichkeit, Snorri zu benutzen, ohne ihm ausgeliefert zu sein.
Quellenlage
Zum Leben. Die Angaben stützen sich vor allem auf die Íslendinga saga seines Neffen Sturla Þórðarson (1214–1284), überliefert in der Kompilation Sturlunga saga. Sie ist zeitnah und detailliert. Ihre Perspektive muss aus drei Gründen mitgelesen werden: Sie stammt von einem Verwandten, der selbst Partei in den Konflikten war. Sie entstand nach 1262/64, als Island bereits unter norwegischer Krone stand und Sturla im Dienst desselben Königshauses arbeitete, das Snorris Tötung befohlen hatte. Und sie ist in einer Kompilation überliefert, die erst um 1300 zusammengestellt wurde, also nach Sturlas Tod und in fremder Redaktion.
Das macht sie nicht unbrauchbar. Es macht sie zu einer Quelle mit Standpunkt. Aus ihr stammen auch die Namen der fünf Männer im Keller und der Wortlaut des Dialogs.
Zu den Zuschreibungen. Prosa-Edda: allein durch die Überschrift des Codex Upsaliensis, frühes 14. Jahrhundert. Heimskringla: in keiner mittelalterlichen Handschrift, erst durch Laurents Hanssøn (1550) und Peder Claussøn Friis (1599). Egils saga: ausschließlich stilistisch begründet und umstritten.
Zur Datierung. Keine überlieferte Angabe nennt ein Entstehungsjahr. Der festeste Anker ist das Háttatal: Es setzt Snorris Norwegenaufenthalt 1218–1220 voraus, und Skúli führt darin noch den Jarlstitel — Herzog wurde er erst 1237. Daraus die Ansetzung auf die frühen 1220er Jahre.
Primärstellen. Weltschöpfung aus Ymir: Vafþrúðnismál 21, Grímnismál 40–41. Zwergenkatalog: Völuspá 9–16. Baumeister: Völuspá 25–26. Týrs Hand: Lokasenna 38–39. Skrýmirs Handschuh: Lokasenna 60. Hermóðr als Figur: Hyndluljóð 2, Hákonarmál. Thors Fischzug: Hymiskvíða. Baldr: Völuspá 31–33, Baldrs draumar. Bei Snorri: Gylfaginning 42 (Sleipnirs Geburt), 49 (Baldrs Tod, Hermóðs Ritt); Schmiedewettstreit der Zwerge im Skáldskaparmál.
Ausgaben. Anthony Faulkes (Hrsg.), Snorri Sturluson: Edda, und Alison Finlay / Anthony Faulkes (Übers.), Heimskringla, beide Viking Society for Northern Research, London — frei zugänglich, mit ausführlicher Einleitung zur Verfasserfrage. Auf Deutsch: Arnulf Krause, Die Edda des Snorri Sturluson, Reclam (Auswahl, ohne Háttatal). Rudolf Simek, Lexikon der germanischen Mythologie, Kröner.
Zur Forschungsdebatte. Zur Verfasserschaft der Heimskringla: Jon Gunnar Jørgensen (1995). Zur Prolog-Frage: Walter Baetke, Die Götterlehre der Snorra-Edda (1950), dagegen Anthony Faulkes, Pagan Sympathy (1983). Zur Baldr-Frage: Sophus Bugge gegen Jan de Vries.