Die drei Runenreihen
- Ein Name aus sechs Runen
- Das Ältere Futhark: die ersten Zeugen
- Die Reduktion auf sechzehn Zeichen
- Das angelsächsische Futhorc
- Die Runengedichte – Quelle der Namen
- Odin und der Ursprung der Runen
- Herkunft und Rätsel der Forschung
- Woher stammen die Zeichen selbst?
- Warum acht Zeichen verschwanden
- Spätere Reihen und ihre Wiederkehr
- Quellenlage
Der Kylver-Stein aus Gotland trägt die älteste vollständige Runenreihe, die sich in Stein erhalten hat – doch wer ihn fand, entdeckte die 24 Zeichen zunächst gar nicht. Sie standen auf der Unterseite einer flachen Kalksteinplatte, die um 400 n. Chr. ein Grab verschloss, und waren von oben nicht lesbar. Vermutet wird ein Übungs- oder Lehrzweck; heute führt der Stein die Bezeichnung Rundata G 88.
Von diesem Fund bis zur Rede von „den drei Runenreihen“ ist es ein weiter Weg – und ein irreführender. Die Dreiteilung in Älteres Futhark, Jüngeres Futhark und angelsächsisches Futhorc ist eine moderne Lehrbuch-Einteilung, keine Selbstbezeichnung der Quellen. Aus dem Jüngeren Futhark entwickelten sich später die mittelalterlichen Runen und die Dalrunen. Eine ehrliche Zählung kommt auf mindestens fünf Reihen, nicht drei.
Ein Name aus sechs Runen
„Futhark“ ist ein Akrophon: Der Name entsteht aus den Anfangszeichen der Reihe selbst, so wie unser Wort „Alphabet“ aus Alpha und Beta. Die ersten sechs Runen lauten F-U-Þ-A-R-K – urgermanisch rekonstruiert als Fehu, Uruz, Thurisaz, Ansuz, Raidō, Kaunan. Die Reihe heißt also nach sich selbst.
Die Namensvarianten sind selbst ein Stück Sprachgeschichte. Im Angelsächsischen wandelte sich der Lautwert der älteren A-Rune Ansuz zu Ōs, und aus Futhark wurde Futhorc. Auch das k von Kaunan verschob sich zu c; die angelsächsische Form heißt cēn, woraus in der modernen Esoterikliteratur die verbreitete Schreibung „Kenaz“ wurde.
Fachsprachlich trennt man drei Formen: Futhark für die ältere Reihe, Futhorc für die anglo-friesische, Futhork für die jüngere beziehungsweise mittelalterliche.
Innerhalb des Älteren Futhark gliedert man die 24 Zeichen häufig in drei Achtergruppen. Der altnordische Begriff dafür ist ætt, „Sippe, Gruppe“. Jede Gruppe wird nach ihrer ersten Rune benannt: Fjár ætt, Hagals ætt, Týs ætt. Für die erste Gruppe ist in der Literatur auch die Bezeichnung Freys ætt verbreitet.
Das Ältere Futhark: die ersten Zeugen
Das Corpus des Älteren Futhark umfasst rund 350 Inschriften – etwa 260 davon aus Skandinavien, rund 80 aus dem kontinentalgermanischen Raum. Allein 133 dieser Inschriften stehen auf Goldbrakteaten: gut ein Drittel des ältesten Runenbestands befindet sich also nicht auf Steinen, sondern auf Schmuckanhängern.
Drei Zeugnisse tragen besonderes Gewicht, weil sie die vollständige Reihe zeigen.
Der Kylver-Stein. Er listet als ältestes bekanntes Zeugnis alle 24 Runen des Älteren Futhark, verborgen auf der Unterseite einer Grabplatte, um 400 n. Chr.
Der Vadstena-Brakteat. Er trägt die vollständige Reihe ebenfalls, durch Punkte in drei Achtergruppen geteilt, und wird auf etwa 500 bis 550 n. Chr. datiert. Damit ist die Dreiteilung in ættir bereits vor der Wikingerzeit in Metall dokumentiert.
Das Stück selbst existiert allerdings nicht mehr: Es wurde 1938 aus dem Statens historiska museum in Stockholm gestohlen und ist nie wieder aufgetaucht. Alle heutigen Aussagen beruhen auf Abbildungen und Abgüssen.
Der Grumpan-Brakteat. Das Stück (Vg 207, 6. Jahrhundert) bestätigt die Dreiteilung. Ein vierter früher Zeuge ist die Fibel von Charnay.
Die Reihenfolgen dieser frühen Listen stimmen weitgehend überein – mit Ausnahme möglicher Vertauschungen von p und ï sowie von d und o. Das ist ein konkreter Widerspruch zwischen den Primärzeugen, der sich nicht glätten lässt.
Den ältesten datierten Runenstein überhaupt liefern die Sandsteinfragmente vom Gräberfeld Svingerud bei Hole in Norwegen. Radiokarbondaten setzen den Kontext zwischen 50 v. Chr. und 275 n. Chr.; die Fragmente gehörten offenbar zu einem einzigen, mehrfach beschrifteten Stein und tragen unter anderem die ersten drei Zeichen der Reihe, f, u, th.
Die Überlieferungsgeschichte dieses Fundes ist zweistufig: Die Erstauswertung des zuerst geborgenen Fragments legte Kristel Zilmer vom Kulturhistorischen Museum Oslo 2023 vor; dass die 2022 hinzugekommenen Fragmente zu demselben Stein gehören, wurde am 3. Februar 2025 in der Zeitschrift Antiquity publiziert, durch Zilmer und den Archäologen Steinar Solheim.
Kleinere, aber früh datierte Einzelbelege liefern ein Knochenkamm aus Vimose in Dänemark, archäologisch auf etwa 160 n. Chr. datiert, und ein Eisenmesser von Fünen aus der Zeit um 150 n. Chr.
Die Reduktion auf sechzehn Zeichen
Ab dem 9. Jahrhundert, nach einer Übergangsphase im 7. und 8. Jahrhundert, verdrängt eine reduzierte Reihe mit nur 16 Zeichen das Ältere Futhark. Der Zeitpunkt ist eingegrenzt durch eine harte Marke: Die dendrochronologisch auf 725 n. Chr. datierte Schädelinschrift von Ribe liefert eine obere Zeitgrenze für die Entstehung des Jüngeren Futhark.
Die Reduktion fällt paradoxerweise mit einem Lautwandel zusammen, der die Zahl der gesprochenen Laute erhöhte. Das Schriftsystem wurde also ärmer, während die Sprache reicher wurde. Unterschiedliche Laute mussten fortan mit denselben Zeichen geschrieben werden.
Regional entstanden mehrere Varianten. Langzweigrunen waren in Dänemark gebräuchlich. Kurzzweig- oder Rök-Runen verbreiteten sich in Schweden und Norwegen. Stablose Runen, auch Hälsinge-Runen genannt, bildeten eine dritte, stark vereinfachte Form.
Gegen Ende des 10. Jahrhunderts glich man den Bedeutungsverlust durch Punktierung einzelner Runen aus. Das Jüngere Futhark bildet trotz seiner reduzierten Zeichenzahl das mit Abstand größte erhaltene Inschriftencorpus – die Rede ist von knapp 6.000 überlieferten Runeninschriften, nach anderer Zählung rund 6.500 Runendenkmälern, die meisten davon in Schweden. Die Zahlen schwanken je nach Zählweise.
Das angelsächsische Futhorc
Ab etwa dem 5. Jahrhundert ist die Runenschrift in Britannien und Friesland belegt. Um 800 verschwindet sie in Friesland; in Britannien läuft sie weiter und wird im 9. Jahrhundert auf eine Reihe mit bis zu 33 Zeichentypen erweitert.
Das frühe Futhorc war mit dem Älteren Futhark fast identisch, bis auf eine Aufspaltung: Aus der einen A-Rune wurden drei – āc, æsc und ōs –, was die Reihe auf 26 Zeichen brachte. Die älteste bekannte ōs-Rune findet sich auf dem Undley-Brakteaten aus dem 5. Jahrhundert.
Ein einheitlicher Zeichenbestand existierte dabei nie. Der Thames-Scramasax, bekannt als Seax of Beagnoth aus dem 10. Jahrhundert, trägt 28 Zeichen, die gesamte Reihe auf der Klinge, gefolgt vom Namen Beagnoth. Der Wiener Codex zeigt ebenfalls 28. Die Ruthwell-Cross-Inschrift kommt auf 31 Zeichen. Cotton Domitian A.ix, eine Handschrift des 11. Jahrhunderts, listet schließlich 33.
Das Futhorc entwickelte sich offenbar langsam und uneinheitlich, sodass sich der Zeichensatz von Fundstück zu Fundstück unterscheidet.
Verglichen mit dem Jüngeren Futhark ist die Quellenlage dünn: Aus mindestens fünf Jahrhunderten Gebrauch sind rund 100 Objekte mit anglo-friesischen Runeninschriften erhalten – gegenüber knapp 6.000 im Norden.
Die Runengedichte – Quelle der Namen
Was einzelne Runen bedeuten sollen, steht nicht auf den Steinen selbst, sondern in späteren Runengedichten. Ihre Überlieferung ist selbst ein Lehrstück in Quellenkritik – jedes der drei Gedichte hat seine eigene Katastrophe.
Das altenglische Runengedicht. Die Handschrift Cotton Otho B.x verbrannte 1731 beim Brand der Cotton Library. Alle heutigen Ausgaben beruhen deshalb auf dem Faksimile, das George Hickes 1705 anfertigte. Das Gedicht selbst entstand wohl im 8. oder 9. Jahrhundert und war in einer Handschrift des 10. Jahrhunderts auf den Blättern 165a–165b überliefert; eine andere Quelle datiert die Abfassung ins 7. Jahrhundert, eine dritte allgemein ins 8. bis 10. Jahrhundert – das lässt sich nicht entscheiden.
Wichtig für die Kritik: Hickes druckte den Text als Prosa, teilte ihn nachträglich in 29 Strophen und stellte die Runen als Kupferstich an den Rand. Das Gedicht behandelt damit 29 Runen. Vier Zeichen der erweiterten Reihe – cweorð, calc, stan und gar – kommen darin überhaupt nicht vor; sie sind ausschließlich aus Handschriften-Runenreihen bekannt, weshalb ihr Lautwert und Gebrauch unsicher bleiben.
Das isländische Runengedicht. Es ist in der Handschrift AM 687d 4to aus dem 15. Jahrhundert sowie in späteren Abschriften überliefert.
Das norwegische Runengedicht. Es ist nur aus Abschriften des 17. Jahrhunderts bekannt, die auf ein verlorenes Original zurückgehen; dieses wird meist ins 13. Jahrhundert datiert.
Isländisches und norwegisches Gedicht behandeln die 16 Runen des Jüngeren Futhark, das angelsächsische dagegen 29.
Das Abecedarium Nordmannicum. Es fasst die 16 jüngeren Runen in einem kurzen Gedicht zusammen, überliefert im Codex Sangallensis 878 aus dem 9. Jahrhundert, Seite 321, dort direkt nach dem hebräischen Alphabet und neben dem angelsächsischen Futhorc platziert. Der Originaltext wurde im 19. Jahrhundert durch Konservierungschemikalien zerstört und überlebt nur noch in einer Zeichnung, die Wilhelm Grimm 1828 anfertigte.
Damit liegen drei der wichtigsten Zeugen dieses Kapitels nur noch als Reproduktion vor: Cotton Otho B.x als Faksimile von 1705, das Abecedarium als Grimm-Zeichnung von 1828 – und der Vadstena-Brakteat als Abguss.
Odin und der Ursprung der Runen
Die mythologische Überlieferung erklärt nicht die Runenreihen, sondern den Ursprung der Runen als solcher. Beides sollte man nicht verwechseln.
Im Hávamál berichtet der Abschnitt Rúnatal, wie Odin die Runen gewinnt. Die Strophenzählung schwankt: Verbreitet ist 138 bis 145, andere Ausgaben zählen 139 bis 146. Die Abweichung geht auf eine Editionsentscheidung zurück – die Strophe, die bei Bellows als 138 zählt, stammt eigentlich vom Ende des Gedichts und wurde nach Karl Müllenhoff vor das Rúnatal gestellt. Es folgt das Ljóðatal mit den achtzehn Zaubersprüchen.
Gegen eine verbreitete Verwechslung: Die geläufige Kurzformel „Odin hängt an Yggdrasil“ ist eine kontextuelle Zusammenfassung. Hávamál spricht an dieser Stelle vom „windigen Baum“ und nennt Yggdrasil nicht ausdrücklich. Überliefert ist das Gedicht im Wesentlichen nur in einer einzigen Handschrift, dem Codex Regius des 13. Jahrhunderts.
Eine zweite Eddastelle, Sigrdrífumál 6, nennt „Siegrunen“, die man aufs Schwert ritzen solle, teils auf den Griff, und dabei zweimal den Namen des Gottes Týr.
In den geprüften Belegen erscheint Snorri Sturluson dagegen nicht als Quelle einer eigenen Runenreihe oder Namensliste. Eine solche Behauptung ist nicht ausreichend belegt.
Herkunft und Rätsel der Forschung
Woher stammen die Zeichen selbst?
Die Forschung nimmt gemeinhin eine Herkunft der Runenzeichen aus altitalischen Schriften an, konkret aus nordetruskisch-rätischen Alphabeten oder aus dem lateinischen Alphabet selbst.
Die Ableitung vom griechischen Alphabet, die man heute vor allem auf populären Portalen liest, war einmal eine ernsthafte Fachposition – Otto von Friesen vertrat sie im frühen 20. Jahrhundert mit Gewicht. Sie gilt heute als aufgegeben, nicht als nie ernst genommen.
Warum acht Zeichen verschwanden
Zur Reduktion von 24 auf 16 Zeichen gibt es unterschiedliche Erklärungen: praktische Gründe, weil eine kürzere Reihe schneller zu lernen und zu ritzen war, oder religiöse Motive. Warum ausgerechnet acht Zeichen wegfielen, während die Sprache gleichzeitig lautlich komplexer wurde, gilt weiterhin als ungelöst.
Michael Schulte beschreibt den Unterschied zwischen den Systemen so: Das anglo-friesische Futhorc ziele auf eine möglichst genaue, eins-zu-eins-Abbildung des Lautsystems, während das nordische Futhark seit etwa 500/550 n. Chr. eher einem etymologischen Notationsprinzip mit Mehrfachzuweisungen einzelner Zeichen folge.
Dokumentiert ist auch ein historischer Forschungsirrtum: Ältere Runologen nahmen an, das Jüngere Futhark habe dem Älteren vorausgehen müssen, weil sie sich nicht erklären konnten, warum man einer bestehenden Schrift Zeichen entziehen sollte.
Spätere Reihen und ihre Wiederkehr
Aus dem Jüngeren Futhark entwickelten sich nach der Einführung punktierter Runen am Ende der Wikingerzeit die mittelalterlichen Runen, auch Futhork genannt.
Diese Runen waren im Alltag lebendig. Die rund 670 Bryggen-Inschriften aus Bergen – Briefe, Notizen, Sprüche auf Holzstäbchen bis ins 14. Jahrhundert – belegen ein gewöhnliches Schreibwerkzeug, das jahrhundertelang neben dem lateinischen Alphabet herlief.
Etwas anderes ist der Codex Runicus aus der Zeit um 1300, ein Pergamentmanuskript von 202 Seiten, das das älteste erhaltene nordische Provinzialrecht – das Schonische Recht – vollständig in Runen wiedergibt. Ein ganzes Gesetzbuch auf Pergament in Runen zu schreiben, während längst lateinisch geschrieben wurde, ist kein Alltagsgebrauch, sondern eine bewusste Entscheidung.
Die Mehrheit der Forschung sieht darin entsprechend keinen natürlichen Fortbestand wikingerzeitlicher Buchkultur, sondern einen nostalgischen, antiquarischen Runengebrauch. Die beiden Befunde widersprechen sich nicht: Runisches Alltagsschreiben lief weiter, runische Buchproduktion war Revival. Die Wiederbelebung der Runen beginnt damit bereits im Mittelalter, nicht erst in der Moderne.
Eine deutlich spätere, rein moderne Konstruktion ist das sogenannte Armanen-Futhark des Esoterikers Guido von List (1848–1919). Seine 18-teilige Reihe lehnt sich lose an das Jüngere Futhark an; List selbst behauptete, sie stamme aus Urzeiten und sei ihm in Visionen zugekommen. Über seine Ariosophie fand die Reihe Eingang in die völkische Bewegung.
Die Zahl 18 ist dabei kein Zufall: Sie orientiert sich an den achtzehn Zaubersprüchen des Ljóðatal im Hávamál. Historisch überliefert ist das Armanen-Futhark nicht; aus runologischer Sicht handelt es sich um eine neuzeitliche Konstruktion, die eine mythologische Zahl in ein vermeintlich altes Schriftsystem umdeutet.
Quellenlage
Corpus-Zahlen. Älteres Futhark: rund 350 Inschriften, davon etwa 260 skandinavisch und rund 80 kontinentalgermanisch; 133 davon auf Goldbrakteaten. Anglo-friesisches Futhorc: rund 100 Objekte. Jüngeres Futhark: knapp 6.000 Inschriften, nach anderer Zählweise rund 6.500 Denkmäler.
Runensteine und Metallfunde. Älteste vollständige Reihe: Kylver-Stein, Rundata G 88, Gotland, um 400 n. Chr. Dreiteilung in Metall: Vadstena-Brakteat, um 500–550 n. Chr. (1938 gestohlen, nur als Abbildung und Abguss überliefert), und Grumpan-Brakteat, Vg 207, 6. Jahrhundert; dazu die Fibel von Charnay. Ältester datierter Kontext: Svingerud-Fragmente, Hole, Norwegen, Radiokarbondatierung 50 v. Chr. bis 275 n. Chr.; Erstauswertung durch Kristel Zilmer 2023, Nachweis der Fragmentzugehörigkeit durch Zilmer und Steinar Solheim, Antiquity, 3. Februar 2025. Frühe Einzelfunde: Knochenkamm von Vimose, um 160 n. Chr., Eisenmesser von Fünen, um 150 n. Chr. Obergrenze für das Jüngere Futhark: Schädelinschrift von Ribe, dendrochronologisch 725 n. Chr. Futhorc-Belege: Undley-Brakteat, 5. Jahrhundert; Thames-Scramasax (Seax of Beagnoth), 10. Jahrhundert; Ruthwell-Cross-Inschrift; Cotton Domitian A.ix, 11. Jahrhundert.
Runengedichte. Altenglisches Runengedicht: verloren im Brand der Cotton Otho B.x, 1731; überliefert nur über das Faksimile von George Hickes, 1705, ursprünglich auf fol. 165a–165b einer Handschrift des 10. Jahrhunderts; 29 Strophen, ohne cweorð, calc, stan und gar. Isländisches Runengedicht: AM 687d 4to, 15. Jahrhundert. Norwegisches Runengedicht: Abschriften des 17. Jahrhunderts nach verlorenem, meist ins 13. Jahrhundert datiertem Original. Abecedarium Nordmannicum: Codex Sangallensis 878, 9. Jahrhundert, S. 321, Original zerstört, überliefert in einer Zeichnung Wilhelm Grimms von 1828.
Lieder-Edda. Ursprung der Runen: Hávamál, Rúnatal, Strophen 138–145 nach verbreiteter, 139–146 nach abweichender Zählung, überliefert im Codex Regius, 13. Jahrhundert. Achtzehn Zaubersprüche: Ljóðatal. Siegrunen: Sigrdrífumál 6.
Forschungsliteratur. Zum phonologischen Gegensatz zwischen Futhorc und Futhark: Michael Schulte, „Älteres und jüngeres Fuþark – Phonologische Aspekte“, S. 427. Zur aufgegebenen griechischen Herleitung: Otto von Friesen.
Moderne Rezeption. Das Armanen-Futhark des Esoterikers Guido von List, 1848–1919, ist keine historisch überlieferte Runenreihe, sondern eine neuzeitliche, ideologisch aufgeladene Konstruktion und wird hier ausdrücklich als solche eingeordnet, nicht als weitere historische Runenreihe neben den übrigen.