Alfheim
Ein Baby bekommt seinen ersten Zahn – und die Götter schenken ihm eine ganze Welt. Genau das erzählt die Lieder-Edda über Freyr: Álfheim gaben ihm die Götter als „Zahngeschenk“, jene Gabe, die man einem Kind beim ersten Zahn reichte.
Ein Reich der Lichtalben
Mehr steht kaum da. Álfheim gehört zu den am dünnsten beschriebenen Welten des Nordens. Erst Snorri Sturluson malt rund 1220 ein Bild: Dort wohnen die Lichtelfen, schöner anzusehen als die Sonne, während die Dunkelelfen unter der Erde hausen, schwärzer als Pech. Zwei Sätze, ein Weltbild – und ein Rätsel. Denn kein Mythos erzählt, was Freyr mit den Elfen eigentlich zu tun hat.
Spannender wird es dort, wo die Elfen den Alltag berühren. Im Herbst opferten die Höfe Skandinaviens den álfar. Das álfablót war kein großes Fest, sondern eine Sache des Hauses, geleitet meist von der Hausherrin, geschützt durch Schweigen – Fremde blieben draußen. Der Dichter Sigvatr erlebte das um 1018 am eigenen Leib: Die Tür blieb zu, die Leute sagten, hier sei es heilig, und schickten ihn weiter.
Ein zweites Alfheim
Und dann gibt es Álfheim noch einmal – aus Erde, nicht aus Licht. So hieß das Land zwischen Glomma und Göta älv, etwa das heutige Bohuslän; schon im 13. Jahrhundert galt der Name als alt.
Bleibt die Frage, was Alfheim heute noch sagt. Vielleicht dies: Selbst die berühmten „neun Welten“ nennt keine alte Quelle beim Namen. Der Norden hat Lücken gelassen. Wer sie füllt, erzählt vor allem von sich selbst – so wie die Bauern, die ihre Tür schlossen, weil manche Dinge niemanden von draußen etwas angehen.
Quellenlage
Die Beschreibung von Alfheim stützt sich vor allem auf die Lieder-Edda – insbesondere die Völuspá und Grimnismál – sowie auf Snorri Sturlusons Prosa-Edda, die im 13. Jahrhundert die mündliche Überlieferung erstmals systematisch zusammenfasste. Da es sich um mythologische Vorstellungen und nicht um historische Orte handelt, variieren Details je nach Quelle.