Harald Hardrada

Harald Hardrada

Ein Fünfzehnjähriger steht in der Schlachtreihe. Neben ihm kämpft sein Halbbruder Olaf, ein König, den man später heiligsprechen wird. Das Jahr ist 1030, der Ort heißt Stiklestad. Am Ende des Tages liegt Olaf tot im Feld. Der Junge überlebt – und verliert doch alles, was er kannte.

Sein Name: Harald Sigurdsson. Später wird man ihn Hardrada nennen – den harten Herrscher. Aber bis dahin ist es ein weiter Weg.

Fünfzehn Jahre in der Fremde

Harald flieht. Er zieht durch die Kiewer Rus, verdingt sich als Söldner. Dann führt er die Warägergarde in Byzanz an – die Leibwache des Kaisers, gefürchtet und respektiert zugleich. Unter Kaiser Michael IV. kämpft er auf Sizilien. Er kämpft in Bulgarien. Aus dem vertriebenen Königssohn wird ein Mann mit Gold in der Tasche und einem Namen, der weit reist. Der Chronist Adam von Bremen nennt ihn später den „Blitz des Nordens“.

Fünfzehn Jahre dauert dieses Leben im Exil. Fünfzehn Jahre, die aus einem Verlierer einen Krieger von Rang machen.

Familie und die Gründung Oslos

Während seiner Zeit in der Kiewer Rus heiratet Harald Elisaveta, Tochter des Großfürsten Jaroslaw des Weisen – eine Verbindung, die seine Rückkehr nach Norwegen politisch absicherte. In Norwegen nahm er später zusätzlich Tora Torbergsdatter zur Frau; die Sagas berichten von beiden Ehen nebeneinander, ohne die genauen rechtlichen Verhältnisse eindeutig zu klären. Um das Jahr 1048 gründete Harald an der Küste des Oslofjords eine neue Handelssiedlung, aus der sich die Stadt Oslo entwickelte – bis heute gilt er in der norwegischen Überlieferung als ihr Gründer.

Heimkehr und harte Hand

1045 oder 1046 kehrt Harald zurück nach Norwegen. Zunächst teilt er sich den Thron mit seinem Neffen Magnus. Ab 1047 herrscht er allein. Und jetzt zeigt sich, woher sein Beiname kommt: harðráði, der harte Herrscher. Er meint es ernst. Fünfzehn weitere Jahre kämpft er um Dänemark – bis er sich 1062 endlich mit König Sven einigt.

Doch die Ruhe hält nicht lange.

Der letzte Zug

1066 lockt ihn die letzte große Gelegenheit: England. Bei Fulford gewinnt er die Schlacht. Fünf Tage später, bei Stamford Bridge, trifft er auf Harold Godwinson. Diesmal verliert Harald – sein Leben.

Hinweis zur Überlieferung: Das Bild, das wir von Harald haben, stammt vor allem aus isländischen Sagas. Nur eine einzige byzantinische Quelle bestätigt seine Zeit dort: der Chronist Kekaumenos. Auch der Titel „letzter Wikinger“, den man Harald oft gibt, ist eine moderne Zuschreibung. Die alten Quellen kennen ihn nicht.

Wer alles verliert, steht nicht am Ende. Er steht am Anfang eines neuen Weges. Haralds Leben zeigt das eindrücklich. Aber dieselbe Härte, die einen Mann aufbaut, kann ihn am Ende auch verschlingen.

Quellenlage

Die Hauptquelle zu Haralds Leben ist Snorri Sturlusons Haralds saga Sigurðarsonar in der Heimskringla (um 1230), verfasst rund 165 Jahre nach seinem Tod. Für seine Zeit in Byzanz existiert mit dem Strategikon des Kekaumenos (um 1078) nur eine einzige zeitgenössische, nicht-skandinavische Quelle. Da Snorris Darstellung deutlich nach den geschilderten Ereignissen entstand und auf mündlicher Überlieferung aufbaut, vermischen sich historische Fakten mit literarischer Ausgestaltung, weshalb einzelne Episoden – etwa Details seiner Feldzüge in Sizilien und Bulgarien – in der Forschung nicht abschließend verifiziert werden können.

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