Bestattungsriten der Wikingerzeit
- Etymologie und Fachbegriffe
- Was die Lieder liefern – und was Snorri
- Die Lieder-Edda: das Ritual
- Und gleich der Gegenbeweis
- Snorri: der Mythos
- Snorris Geschichtsphilosophie
- Die Hel-Schuhe: ein Widerspruch in der Gísla saga
- Ibn Fadlan: die einzige Augenzeugenquelle
- Archäologie: Vielfalt statt Norm
- Der größte Irrtum: das brennende Schiff auf See
- Christianisierung und das Ende der Hügel
- Beigaben sind keine Personenausweise
- Quellenlage
Ein einziger schriftlicher Augenzeugenbericht beschreibt eine wikingerzeitliche Bestattung aus erster Hand: der Reisebericht des Ahmad ibn Fadlan über eine Rus-Schiffsverbrennung an der Wolga, verfasst um 922.
Alles andere, was populär als „die Wikingerbestattung“ gilt, stammt entweder aus dem Boden oder aus Texten, die zwei bis drei Jahrhunderte später aufgeschrieben wurden. Das Thema ist damit fast ausschließlich archäologisch fassbar – und die literarischen Quellen sind nicht nur spät und selten, sie widersprechen sich auch untereinander.
Etymologie und Fachbegriffe
Die altnordische Sprache besitzt ein eigenes, präzises Vokabular für den Tod und seine Rituale. Es lohnt sich, dieses Vokabular ernst zu nehmen, bevor man von „Wikingerbestattungen“ im Allgemeinen spricht.
Der Hügel. Haugr heißt „Grabhügel“ und ist mit dem deutschen Wort „hoch“ beziehungsweise „Hügel“ verwandt. Das dazugehörige Verb heygja bedeutet wörtlich „jemanden einhügeln“ – die Sprache selbst behandelt den Hügelbau als Tätigkeit an einer Person, nicht nur als Bauwerk.
Das Feuer und der Stein. Bál bezeichnet den Scheiterhaufen, bautasteinn den aufrecht gesetzten Gedenkstein. Beide Begriffe stehen nebeneinander, weil Verbrennung und Steinsetzung sich nicht ausschließen, sondern oft zusammengehören.
Das Erbmahl. Zentral und in populären Darstellungen oft übersehen ist erfi, das Totengelage. Es teilt die Wurzel mit arfr, „Erbe“ – im deutschen Wort „Erbe“ steckt dieselbe Vorstellung.
Das Totenmahl war also kein reiner Trauerakt, sondern ein Rechtsakt der Nachfolge: Wer erbte, musste das öffentlich beim Gelage bekräftigen. Entsprechend heißt die Gedenkdichtung, die bei solchen Anlässen vorgetragen wurde, erfidrápa.
Schuhe für die Toten und Namen für Wiedergänger. Helskór heißt wörtlich „Hel-Schuhe“. Für Untote, die aus dem Grab zurückkehren, unterscheidet die Forschung haugbúi, „Hügelbewohner“, von aptrganga, „Wiedergänger“. Ármann Jakobsson (2011) weist darauf hin, dass das heute geläufige Wort draugr im mittelalterlichen Isländischen selten vorkommt und für einige der bekanntesten Gespenstergestalten überhaupt nie verwendet wird. Gebräuchlich waren stattdessen haugbúi, aptrganga oder reimleikar.
Was die Lieder liefern – und was Snorri
Die verbreitete Auskunft lautet, alle Bestattungsszenen stammten von Snorri Sturluson. Das stimmt nicht. Die Arbeitsteilung zwischen Lieder-Edda und Prosa-Edda verläuft anders – und genauer.
Die Lieder-Edda: das Ritual
Die ausführlichste Bestattungsanweisung der gesamten altnordischen Literatur steht nicht bei Snorri, sondern in der Sigurðarkviða in skamma, Strophen 65 bis 71. Brynhild diktiert sie im Sterben.
Der Scheiterhaufen soll breit auf dem Feld errichtet werden, groß genug für alle Erschlagenen, und mit Schilden und Teppichen bedeckt werden. Fünf Sklavinnen und acht Knechte sollen mit Sigurd verbrannt werden, zwei zu seinen Füßen, zwei zu seinem Kopf. Dazu ein Paar Hunde und ein Paar Falken. Zwischen Sigurd und Brynhild soll das Schwert liegen, das schon einmal zwischen ihnen lag. Und die Tür zur Halle im Jenseits soll offen bleiben, bis sein Gefolge eingetreten ist.
Das ist keine Anspielung. Das ist ein vollständiges Programm: Bauweise des bál, Textilien, Menschenopfer mit genauer Positionierung, Tieropfer, Beigabe, Jenseitsvorstellung.
Ein zweiter eddischer Befund gehört dazu: In der Helgakviða Hundingsbana II kehrt Helgi in seinen Grabhügel zurück, und Sigrún verbringt die Nacht bei ihm im Hügel. Ein Wiedergänger-Motiv, in der Lieder-Edda, ohne Snorri.
Und gleich der Gegenbeweis
Wer nun meint, die Lieder seien deshalb die verlässlichere Quelle, findet die Widerlegung wenige Seiten weiter im selben Kodex.
Die Prosaeinleitung der Helreið Brynhildar sagt, für Sigurd und Brynhild seien zwei Scheiterhaufen errichtet worden. In der Sigurðarkviða brennen beide auf demselben.
Zwei Texte in derselben Handschrift, zwei unvereinbare Angaben zu ein und demselben Begräbnis. Die literarische Überlieferung widerspricht sich nicht erst zwischen Lied und Snorri – sie widerspricht sich schon in sich selbst.
Snorri: der Mythos
Was Snorri liefert, ist etwas anderes als ein Ritual. Es ist eine Götterszene.
Am ausführlichsten ist die Bestattung Baldrs in Gylfaginning 49. Baldr wird auf sein Schiff Hringhorni getragen, das größte aller Schiffe. Die Götter können es nicht ins Wasser stoßen, bis die Riesin Hyrrokkin auf einem Wolf mit Vipern als Zügel erscheint und es so heftig anstößt, dass Feuer aus den Rollen springt und die Erde bebt. Nanna, Baldrs Frau, stirbt vor Kummer und wird dazugelegt. Thor weiht den Scheiterhaufen mit seinem Hammer, Odin legt den Ring Draupnir hinein, und Baldrs Pferd wird in vollem Geschirr aufs Feuer geführt.
In dieser Szene tritt Thor den Zwerg Litr ins Feuer – eine Nebenfigur, die in der Völuspá (Strophe 12) nur als bloßer Name in einer Liste von Zwergen auftaucht. Snorri zitiert im Skáldskaparmál zudem eine Strophe des Skalden Bragi Boddason mit einer Thor-Kenning, die Litr erwähnt. Für die dramatische Szene mit dem Fußtritt ins Feuer gibt es jedoch keine ältere Parallele. Sie ist Snorris Ausgestaltung.
Die Arbeitsteilung lautet also: Die Lieder überliefern, wie ein Begräbnis auszusehen hatte. Snorri überliefert, wie die Götter eines feierten.
Snorris Geschichtsphilosophie
Auch die berühmte „Odins Gesetzgebung“ in der Ynglinga saga 8 ist Snorris Konstruktion. Odin setzt darin als Gesetz fest, dass alle Toten verbrannt werden, ihr Besitz mit auf den Scheiterhaufen kommt und die Asche ins Meer geworfen oder in der Erde vergraben wird – jeder komme so mit dem Reichtum nach Walhall, den er auf dem Feuer bei sich hatte. Für bedeutende Männer solle ein Hügel errichtet werden, für andere tapfere Krieger ein aufrechter Stein.
Unmittelbar danach steht der Satz, aus dem ein moderner Gemeinplatz geworden ist: Man habe geglaubt, je höher der Rauch aufsteige, desto höher werde der im Himmel erhoben, dessen Scheiterhaufen es war.
Daraus ist in der Rezeption die Vorstellung geworden, der Rauch habe „die Seele“ getragen. Das steht so nirgends – Snorri beschreibt eine Entsprechung, keinen Transport. Und die Stelle, aus der das Bild stammt, ist selbst Teil jener Gesetzgebungsszene, die Snorri im 13. Jahrhundert entworfen hat. Erst eine späte Konstruktion, dann eine populäre Umdeutung obendrauf.
Im Prolog zur Heimskringla geht Snorri noch weiter und entwirft eine Abfolge von Zeitaltern: zuerst ein „Brandzeitalter“ (brunaöld) mit Verbrennung und Gedenksteinen, dann – nachdem Freyr in Uppsala in einen Hügel gelegt worden war und der Dänenkönig Danr inn mikilláti sich mit Gewand, Rüstung und Pferd in einen Hügel legen ließ – ein „Hügelzeitalter“ (haugsöld).
Das ist Geschichtsphilosophie des 13. Jahrhunderts, keine Beobachtung. Archäologisch laufen Brand- und Körpergrab über die gesamte Wikingerzeit hinweg nebeneinander her.
Die Hel-Schuhe: ein Widerspruch in der Gísla saga
Die Gísla saga (Kapitel 14) liefert die einzige klare literarische Erwähnung der helskór. Þorgrímr bindet dem toten Vésteinn diese „Hel-Schuhe“ an, „damit er auf ihnen nach Walhall gehen kann“.
Der Satz widerspricht sich selbst: Hel-Schuhe für den Weg nach Walhall zu binden, verknüpft zwei getrennte Vorstellungen vom Jenseits, die eigentlich nicht zusammengehören.
Ältere Übersetzer deuteten den Brauch deshalb umgekehrt, nämlich als eine Art Fesselung, die verhindern sollte, dass der Tote als Wiedergänger zurückkehrt. Schuhreste in Gräbern des 11. und 12. Jahrhunderts in Lund wurden mit dem helskór-Konzept in Verbindung gebracht. Die Beleglage bleibt jedoch dünn: eine einzige eindeutige Sagastelle trägt die gesamte Vorstellung.
Ibn Fadlan: die einzige Augenzeugenquelle
Ahmad ibn Fadlan wurde 921 als Sekretär einer Gesandtschaft des Kalifen al-Muqtadir zu den Wolgabulgaren geschickt und beschreibt 922 eine Schiffsverbrennung der Rus, jener skandinavischen Kaufleute und Krieger, die entlang der russischen Flüsse Handel trieben.
Sein Bericht ist nur als Teil eines späteren Sammelwerks überliefert. Eine umfangreichere Handschrift, eine Abschrift aus dem 13. Jahrhundert, wurde erst im frühen 20. Jahrhundert identifiziert – über die Bedeutung und die historische Verlässlichkeit des Textes wird deshalb bis heute diskutiert. Die maßgebliche englische Übersetzung stammt von James E. Montgomery.
Inhaltlich schildert Ibn Fadlan, wie das Schiff an Land gezogen wird. Nach der Verbrennung wirft man an derselben Stelle einen runden Hügel auf und richtet darin einen großen Pfosten aus Birkenholz auf, auf den man den Namen des Toten schreibt.
Die berühmte Begründung für die Verbrennung stammt nicht von Ibn Fadlan selbst, sondern ist die Aussage eines Rus, die er referiert: Erdbestattung überlasse den Toten Erde und Würmern, Verbrennung dagegen bringe ihn sofort ins Paradies. Zur getöteten Sklavin, die dem Toten beigegeben wurde, notiert Ibn Fadlan ausdrücklich ihre eigene Erklärung, mitzugehen, sowie ihr Singen und Trinken in den Tagen vor der Bestattung. Ob darin Freiwilligkeit oder Ritualzwang steckte, lässt sich aus dem Text nicht entscheiden.
Als Beleg für „die“ Wikingerbestattung schlechthin taugt der Bericht ohnehin nicht: Er beschreibt eine Rus-Gruppe an der Wolga, nicht Skandinavien selbst.
Archäologie: Vielfalt statt Norm
Die Funde zeigen keine einheitliche Bestattungssitte, sondern ein breites Nebeneinander. Körpergräber variieren stark: Kammergräber waren häufig, daneben stehen Grubengräber und Bootsgräber, Särge wurden mal benutzt, mal nicht. Nach Anne-Sofie Gräslund und Michael Müller-Wille (1992) könnte die Kammergrabsitte aus Friesland, Niedersachsen oder Westfalen übernommen worden sein.
Verbrennungen fanden am vorgesehenen Bestattungsplatz selbst oder nur in kurzer Entfernung davon statt. Schiffssymbolik funktionierte auch ohne echtes Schiff: Steinsetzungen in Schiffsform, sogenannte Schiffssetzungen, sind eine eigene, weit verbreitete Grabform.
Oseberg. 834 wurde das Schiff an Land gezogen und als Grabschiff für zwei wohlhabende Frauen genutzt, eine etwa 50 bis 55, die andere um die 80 Jahre alt. Der Hügel hat rund 40 Meter Durchmesser und war ursprünglich etwa 6 Meter hoch; heute ist er erheblich niedriger. Er bestand aus Grassoden, die eine luftdichte Versiegelung bildeten und die außergewöhnliche Erhaltung des Holzes ermöglichten.
Die Datierung stützt sich dendrochronologisch auf das Jahr 834; die Schnitzereien am Steven werden auf etwa 820 geschätzt. Der Hügel wurde noch in der Wikingerzeit wieder geöffnet, vielleicht von Räubern, wahrscheinlicher von Nachfahren. Das meiste Metall war entfernt, Teile beider Skelette fanden sich im eingestürzten Einbruchstunnel.
Die verbreitete Gleichsetzung der älteren Frau mit Königin Åsa passt chronologisch schlecht zur Datierung.
Gokstad. Auch dieses Schiffsgrab war aufgebrochen worden, das Schiff beschädigt, Beigaben zerstört, Knochen verstreut. Das Skelett selbst ist erhalten und untersucht: ein kräftiger Mann von etwa 40 bis 50 Jahren, mit Verletzungsspuren an den Beinen. Offen ist nicht, was dort lag, sondern wer es war – welcher Fürst.
Salme. In Estland, noch vor der eigentlichen Wikingerzeit um 750, wurden 41 Individuen in zwei Schiffen bestattet, offenbar gewaltsam ums Leben gekommen, mit reich verzierten Waffen, Werkzeug, Spielsteinen und Tierknochen. Die Schwerter sind skandinavischer Machart aus dem Raum Stockholm-Mälaren, Isotopen- und Strontiumanalysen der Zähne verweisen am ehesten auf Uppland.
Unbekannt bleibt, wer die Männer tötete und wer die Bestattung durchführte – Feinde oder Verbündete. In der Literatur schwanken sogar die Individuenzahlen: Salme II wird mit 34 beziehungsweise 33 Individuen angegeben, vierfach übereinandergeschichtet; Salme I enthielt sieben Männer zwischen 18 und 45 Jahren.
Tyresta. Neue naturwissenschaftliche Methoden erschließen auch verbrannte Reste neu: Eine Studie zum Grabhügel von Tyresta in Süd-Mittelschweden nutzt Infrarotspektroskopie (ATR-FTIR), direkte Quecksilberanalyse und analytische Farbmessung an den verbrannten Resten eines Menschen, der zusammen mit Hunden, einem Pferd, einer Katze und weiteren Tieren bestattet wurde.
Der größte Irrtum: das brennende Schiff auf See
Das populärste Bild der Wikingerbestattung – ein brennendes Schiff, das man aufs offene Meer hinaustreibt – hat keine archäologische Grundlage. Das Museum Vrak hält in seiner Darstellung „Burned Boats of the Viking Age“ fest, dass es dafür keinen Beleg gibt.
Praktisch funktioniert das Szenario ohnehin kaum: Feuer verhält sich auf offenem Wasser unzuverlässig, und die Überreste würden zurücktreiben statt zu verschwinden.
Schiffe erscheinen zwar in Gräbern, waren aber nie die Norm. Schiffsbestattungen waren Ausnahmen, gebunden an Reichtum, Macht oder Status. Auch Ibn Fadlans Schiff wurde an Land gezogen und dort verbrannt.
Das populäre Bild stammt nicht aus dem Boden, sondern aus der Literatur: aus Snorris Baldr-Szene in Gylfaginning 49, in der das Schiff Hringhorni brennend zu Wasser gelassen wird. Moderne Filme reproduzieren damit eine literarische Lösung des 13. Jahrhunderts, nicht einen archäologischen Befund.
Ibn Fadlan selbst wurde zur Popkulturfigur: Im Film „The 13th Warrior“ spielt Antonio Banderas ihn als Reisenden, der eine Schiffsbestattung bezeugt.
Christianisierung und das Ende der Hügel
Als Kriterien für christlichen Einfluss auf Bestattungssitten gelten Gräber ohne persönliche Beigaben und eine West-Ost-Ausrichtung des Toten. Haithabu, der wikingerzeitliche Handelsplatz an der schleswig-holsteinischen Ostseeküste, liefert dafür einen datierten Fall.
Im 10. Jahrhundert ist dort zunehmend christlicher Einfluss erkennbar. Der Hügelbau endet in der ersten Hälfte des 10. Jahrhunderts, während die Mehrzahl der Gräber mit Beigaben von der Mitte des 9. bis in die erste Hälfte des 10. Jahrhunderts datiert.
Gräber des 11. Jahrhunderts lassen sich in Haithabu nicht mehr sicher als solche erkennen – ein Hinweis darauf, dass sich die Bestattungspraxis so weit gewandelt hatte, dass sie archäologisch kaum noch von christlichen Gräbern zu unterscheiden ist.
Beigaben sind keine Personenausweise
Das Grab Bj 581 in Birka, seit seiner Ausgrabung 1878 als Männergrab eines hochrangigen Kriegers geführt, zeigt, wie vorsichtig man mit der Deutung von Beigaben umgehen muss. Osteologische Untersuchungen 2014 und eine DNA-Analyse 2017 ergaben, dass die bestattete Person eine Frau war.
Die daran anschließende Deutung als hochrangige Berufskriegerin wird in der Forschung bestritten. Der Einwand lautet: Beigaben allein beweisen keine soziale Rolle. Waffen im Grab belegen nicht zwangsläufig, dass die bestattete Person selbst gekämpft hat.
Der Fall bleibt damit ein Mahnbeispiel dafür, wie schnell aus einem Fund eine feste Erzählung wird, die sich nur schwer wieder korrigieren lässt.
Quellenlage
Lieder-Edda. Sigurðarkviða in skamma 65–71: Brynhilds Bestattungsanweisung mit Scheiterhaufen, Schilden, Teppichen, fünf Sklavinnen, acht Knechten, Hunden, Falken und dem Schwert zwischen den Toten. Helreið Brynhildar, Prosaeinleitung: zwei Scheiterhaufen, im Widerspruch dazu. Helgakviða Hundingsbana II: Helgi im Grabhügel. Völuspá 12: Litr im Zwergenkatalog, ohne Bestattungsbezug.
Snorri Sturluson. Baldr-Bestattung mit Schiff, Hyrrokkin und Fußtritt gegen Litr: Gylfaginning 49. Bragi-Strophe mit Litr-Kenning: Skáldskaparmál. Odins Gesetzgebung und die Rauchhöhe: Ynglinga saga 8. Brand- und Hügelzeitalter: Prolog zur Heimskringla. Entstanden um 1220 bis 1225.
Sagaliteratur. Die Hel-Schuhe stehen in der Gísla saga, Kapitel 14, verfasst im 13. Jahrhundert. Sie sind die einzige literarische Stütze für dieses Konzept.
Arabische Reiseliteratur. Ahmad ibn Fadlans Risala, 921/922, beschreibt eine Rus-Bestattung an der Wolga aus unmittelbarer Beobachtung. Überliefert nur in späteren Abschriften, darunter eine Handschrift des 13. Jahrhunderts, die erst im frühen 20. Jahrhundert identifiziert wurde. Maßgebliche englische Übersetzung: James E. Montgomery.
Kommentarliteratur. Klaus von See u. a., Kommentar zu den Liedern der Edda, Bd. 6: Heldenlieder, Winter, Heidelberg 2009 – zur Sigurðarkviða in skamma.
Archäologie. Oseberg und Gokstad in Norwegen, Salme in Estland, der Grabhügel von Tyresta in Schweden, Grab Bj 581 in Birka, Gräberplatz Haithabu. Zu den Kammergräbern: Anne-Sofie Gräslund und Michael Müller-Wille (1992). Diese Funde bilden das Rückgrat des Themas, weil die literarischen Quellen so spät und so wenige sind.
Offene Fachdebatte. Die Lesung der Runeninschrift auf dem Tune-Stein, dalidun arbija, als Beleg für ein Erbmahl ist umstritten; siehe Thórhallur Eythórsson, Futhark 3 (2012). Ebenfalls nicht gesichert sind die genauen Zahlen geopferter Pferde in Oseberg und Gokstad sowie die Zuschreibung „einziges Schiffsgrab Dänemarks“ für Ladby. Der Kapitelverweis für die Bragi-Strophe im Skáldskaparmál konnte für diesen Artikel nicht am Primärtext geprüft werden; die Kapitelzählung weicht zwischen den Ausgaben ab.