Uppsala
Drei gewaltige Grabhügel erheben sich bis heute aus der Ebene nördlich der schwedischen Stadt Uppsala. Sie gelten als Gräber legendärer Könige der Ynglinger-Dynastie – jener Herrscherlinie, die Snorri Sturluson in seiner Ynglinga saga bis zu den Göttern Freyr und Odin zurückverfolgt.
Zentrum von Macht und Kult
Gamla Uppsala, wie der Ort heute heißt, war weit mehr als ein Friedhof. Es war religiöses und politisches Zentrum zugleich: Sitz eines Things, der Volksversammlung, und – so berichtet es der Bremer Chronist Adam von Bremen um 1075 – Standort eines gewaltigen Tempels. Dort seien Statuen von Thor, Odin und Freyr verehrt worden, umgeben von einer goldenen Kette, mit Opferfesten alle neun Jahre.
Zwischen Legende und Fund
Wie viel davon stimmt, ist umstritten. Adam von Bremen war nie selbst vor Ort, sondern stützte sich auf Berichte Dritter – seine Beschreibung diente womöglich auch dazu, das heidnische Schweden besonders finster erscheinen zu lassen. Der deutsche Bischof Thietmar von Merseburg schildert rund 70 Jahre früher ein ganz ähnliches Opferfest im dänischen Lejre, was zeigt, wie sehr solche Berichte einem literarischen Muster folgen konnten.
Archäologisch gesichert ist: Gamla Uppsala war über Jahrhunderte einer der bedeutendsten Plätze Skandinaviens, mit reich ausgestatteten Hügelgräbern aus dem 6. Jahrhundert und ununterbrochener Nutzung bis weit in die Wikingerzeit. Ob dort wirklich Menschen geopfert wurden oder ob die blutigsten Details literarische Zutat sind, bleibt eine der offenen Fragen der nordischen Geschichte.
Verwandter OrtWie Uppsala ist auch Hedeby ein Grabungsplatz, an dem sich schriftliche Überlieferung und archäologischer Befund messen lassen – dort für Handel und Stadtleben, hier für Kult und Königtum.
Quellenlage
Die Angaben zu Uppsala stützen sich auf archäologische Ausgrabungen sowie auf zeitgenössische schriftliche Quellen, unter anderem Rimberts Vita Ansgarii und Adam von Bremens Gesta Hammaburgensis Ecclesiae Pontificum. Neuere Forschungsergebnisse können frühere Annahmen im Detail revidieren.