Vinland

Vinland

Stell dir vor: Fünfhundert Jahre vor Kolumbus setzt ein Europäer den Fuß auf amerikanischen Boden. Dann vergisst die Welt diese Tat fast wieder. Genau das geschah mit Vinland.

Zwei Sagas erzählen die Geschichte: die Grænlendinga-Saga und die Eiríks-Saga rauða. Beide entstanden im dreizehnten Jahrhundert. Sie berichten von Leif Eriksson. Er segelte westlich von Grönland und fand Land. Wilde Trauben wuchsen dort. Felder säten sich von selbst aus. Wertvolles Holz stand bereit zum Fällen. Leif nannte diesen Ort Vinland.

Lange Zeit galt das nur als eine Geschichte unter vielen. Dann, im Jahr 1960, gruben die norwegischen Forscher Helge und Anne Stine Ingstad in L’Anse aux Meadows. Der Ort liegt an der Nordspitze Neufundlands. Sie fanden Grassodenhäuser. Dazu Eisennägel und eine bronzene Nadel. Plötzlich stand die Saga nicht mehr allein.

Der Beweis in den Baumringen

2021 lieferte die Wissenschaft den entscheidenden Fund. Im Jahr 993 nach Christus traf eine kosmische Strahlung die Erde. Sie hinterließ eine Spur – messbar in den Jahresringen von Bäumen, weltweit. Forscher untersuchten drei bearbeitete Holzstücke aus L’Anse aux Meadows. Alle drei trugen genau diese Spur. Sie saß achtundzwanzig Ringe von der Rinde entfernt. Das bedeutet: Die Wikinger fällten diese Bäume im Jahr 1021 nach Christus.

Diese Datierung ist bis heute einzigartig. Sie liefert den einzigen unumstrittenen Beleg für Kontakt zwischen Europa und Amerika vor Kolumbus.

Ein offenes Rätsel

Wo lag das eigentliche Vinland? Genau hier, in L’Anse aux Meadows? Oder weiter südlich, wo die Trauben besser gedeihen? Niemand weiß es sicher. L’Anse aux Meadows war wohl nur ein Stützpunkt – eine Werkstatt am Rand einer größeren Entdeckung. Das Zentrum dieser Geschichte beschreiben die Sagas. Die Erde selbst hat es bis heute nicht vollständig preisgegeben.

Quellenlage

Die Angaben zu Vinland stützen sich auf die Vinland-Sagas – die Grænlendinga saga und die Eiríks saga rauða – sowie auf archäologische Funde, insbesondere die Ausgrabungen von L’Anse aux Meadows.

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