Asen

Sif

Sif

Aktualisiert am 9. September 2026 Götter & Göttinnen 3 Min. Lesezeit

Stell dir vor, jemand schneidet dir im Schlaf die Haare ab. Genau das passiert Sif. Über Nacht. Ohne Vorwarnung.

Sif ist Thors Ehefrau. Ihr Haar macht sie berühmt: golden, fein, wie reifes Getreide vor der Ernte. Doch Loki, der Trickser unter den Göttern, kennt keine Grenzen. Aus reiner Bosheit schneidet er ihr die Haare ab. Einfach so.

Familie

Über Sifs eigene Herkunft schweigen die Quellen fast vollständig – ihr Vater wird nirgends genannt. Bekannt ist dagegen ihre Rolle als Ehefrau Thors und, nach der Prosa-Edda, als Mutter der Þrúð (Thrud), deren Name „Kraft“ bedeutet. Zudem gilt sie über ihren Sohn Ullr als Stiefmutter eines der stillsten, aber angesehensten Asen. (Quelle: Snorri Sturluson, Prosa-Edda, Skáldskaparmál)

Der Zorn Thors und die Flucht zu den Zwergen

Thor tobt. Er packt Loki und droht ihm mit dem Tod. Keine leeren Worte – Thor meint es ernst. Loki spürt die Gefahr und handelt schnell. Er zieht los zu den Zwergen, den besten Schmieden der Neun Welten. Sie sollen ein neues Haar schaffen. Aus echtem Gold.

Der Schmiedewettstreit der Zwerge

Die Söhne Ivaldis liefern nicht nur neues Haar für Sif, sondern gleich zwei weitere Wunderwerke obendrein: das Schiff Skidbladnir und den Speer Gungnir. Doch Loki, stets auf Ärger aus, wettet daraufhin mit dem Zwerg Brokkr, dass dessen Bruder Eitri unmöglich noch bessere Schätze schmieden könne – als Einsatz setzt er seinen eigenen Kopf ein. Während Eitri den Blasebalg bedient, verwandelt sich Loki in eine Fliege und beißt Brokkr ins Augenlid, um die Arbeit zu sabotieren. Trotzdem entstehen drei Meisterwerke: der goldene Eber Gullinbursti, der Ring Draupnir – und Mjölnir, Thors Hammer, dessen Stiel durch die Störung nur etwas kürzer gerät als geplant. Die Götter kären Mjölnir zum wertvollsten aller Geschenke. Loki verliert die Wette, entkommt der Bestrafung am Ende aber durch einen Trick: Brokkr darf zwar seinen Kopf haben, doch nicht seinen Hals berühren. (Quelle: Snorri Sturluson, Prosa-Edda, Skáldskaparmál)

Die Zwerge liefern. Ihr Werk ist mehr als schönes Metall: Das Haar wächst von selbst, wie echtes Haar auf Sifs Kopf. Thors Zorn legt sich. Sif trägt wieder ihre goldene Pracht.

Lokasenna – Lokis Anschuldigung

Beim Zechgelage in Lokasenna spart Loki auch Sif nicht mit seinem Spott. Er behauptet, sie heimlich verführt zu haben, während Thor abwesend war – eine Anschuldigung, die Sif mit einem Trinkhorn zu besänftigen versucht, indem sie Loki einschenkt und um Frieden bittet. Erst Thors Rückkehr und seine Drohung mit Mjölnir bringen Lokis Spott endgültig zum Schweigen. (Quelle: Lieder-Edda, Lokasenna)

Manche deuten Sifs Haar als Bild für die Kornfelder, die im Wind wogen – golden, lebendig, immer in Bewegung. Eine kleine Geschichte, doch sie erzählt viel: von Rache und Wiedergutmachung, von Verlust und Neuerschaffung. Themen, die uns bis heute begleiten.

Quellenlage

Die Geschichte vom abgeschnittenen Haar und dem Schmiedewettstreit der Zwerge stammt aus Snorri Sturlusons Prosa-Edda (Skáldskaparmál, 13. Jahrhundert). Lokis Anschuldigung gegen Sif ist im Eddalied Lokasenna überliefert. Da diese Texte erst Jahrhunderte nach der Christianisierung Skandinaviens schriftlich fixiert wurden, sind Widersprüche und spätere Einflüsse in den Quellen nicht auszuschließen.

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