Asatru

Asatru

Sommersonnenwende 1972, Island. Der Bauer und Dichter Sveinbjörn Beinteinsson gründet mit einer Handvoll Gleichgesinnter die Ásatrúarfélagið, die „Gemeinschaft des Asenglaubens“. Schon ein Jahr später erkennt der isländische Staat sie offiziell als Religionsgemeinschaft an – fast tausend Jahre, nachdem Island im Jahr 1000 auf dem Alþingi zum Christentum übertrat.

Was Asatru bedeutet

Asatru, wörtlich „Treue zu den Asen“, versteht sich als Wiederbelebung der vorchristlichen nordischen Religion: Feste zu den Jahreszeiten, Opfergaben (Blót) an Odin, Thor, Freyja und die anderen Götter, Zusammenkünfte unter freiem Himmel statt in Kirchenbauten. Beinteinsson selbst sprach weniger von Dogma als von einer Verbindung zum Land und dem Wunsch, dass Isländer einen eigenen Glauben pflegen konnten, keinen importierten.

Wachstum und Wirklichkeit

Die Bewegung blieb nicht auf Island beschränkt. Heute zählt die isländische Ásatrúarfélagið mehr als 4.000 Mitglieder – eine der größten nichtchristlichen Gemeinschaften des Landes – und hat Ableger in Skandinavien, Deutschland und Nordamerika inspiriert.

Wichtig für das Verständnis: Asatru ist keine ungebrochene, tausendjährige Tradition. Zwischen dem letzten öffentlichen Blót der Wikingerzeit und der Gründung 1972 liegen Jahrhunderte ohne organisierte Praxis. Was heute gefeiert wird, ist eine bewusste, moderne Rekonstruktion – gespeist aus Edda und Sagas, aber neu gedacht für eine Gegenwart, die mit den alten Göttern anders umgeht als die Wikinger selbst.

Quellenlage

Die Angaben zu Asatru stützen sich zum einen auf altnordische Primärquellen wie die Lieder-Edda, die Prosa-Edda und die Sagas, zum anderen auf Veröffentlichungen und Selbstdarstellungen moderner Asatru-Gemeinschaften sowie religionswissenschaftliche Literatur zur heutigen Praxis.